Beton ist COOL

Betonbank

aus Beton mit Sitzfläche aus Mahagonileisten, die den rohen Beton kontrastieren und ihm Wärme verleihen. Von der dänischen Firma Oranje Beton

Nach einer Zeit, in der man negativ geladene Ausdrücke wie „Betonbunker“ und „Beton der 70er Jahre“ zu hören bekam, ist die Stimmung umgeschlagen. Heute gilt Beton als cool, und nicht zuletzt der leichte Faserbeton prägt trendige Designmöbel, Fassaden, Beläge, Töpfe und vieles andere. Sowohl im Freien als auch  unter Dach.

Er ist roh, er ist cool, er ist wartungsfrei und lässt sich sogar herumbugsieren. Design und Architektur unter Verwendung des sogenannten Faserbetons sind eine Erfolgsgeschichte. Unter anderem ist Faserbeton Bestandteil einer langen Reihe Designmöbel und Produkte des dänischen Design- und Interieurkonzepts Bandage Interiør.

„Mit Faserbeton erhält man einen ganz einzigartigen rohen Look, der zu sehr vielen anderen Designformen und zur modernen Architektur passt“, sagt Torben Andresen, der zusammen mit seiner Frau Anette Wendt die Design- und Einrichtungsfirma Bandage Interiør betreibt, die sowohl private als auch gewerbliche Kunden beliefert.

Vor vier Jahren stieß das Paar auf das Faserbetonprodukt des dänischen Unternehmens Glafiment, das auf die Herstellung von glasfaserbewehrtem Beton spezialisiert ist. Eine Methode, die bedeutet, dass der Beton in Stärken bis herab auf 5 mm hergestellt werden kann und dennoch die hohe Abriebfestigkeit von Beton aufweist, aber weitaus weniger schwer ist als der herkömmliche stahlbewehrte Beton.

„Zuerst verwendeten wir Faserbeton, um andersartige, coole Gartenküchen-Tischplatten herzustellen, mit Löchern für den Weber-Grill und eingegossenem Spülbecken“, erzählt Anette Wendt.

Aber schnell fand das kreative Paar auch zahlreiche andere Verwendungsmöglichkeiten für Faserbeton: Zum Beispiel schöne, rohe Podien für die Garteneinrichtung, Blumenkästen, Spiegelrahmen und Tischplatten für viele verschiedene Untergestelle.

„Faserbeton hat den Vorteil, dass sich mithilfe verschiedener Gussformen die Illusion erzeugen lässt, die Tischplatte bestehe aus dickem, rohem Industriebeton – obwohl sie sich kinderleicht heben lässt, um den Tisch zu verschieben“, erklärt Torben Andresen.

Im Herbst lancierte das Paar eine neue Marke, Formula W, wobei es sich um eine Lounge-Serie in Faserbeton mit eingesetztem Liegestuhl aus Acryl handelt. Eine Stuhlserie, die man im Sommer draußen auf der Terrasse verwenden und für den Winter in die Stube hereinholen kann.

Das ganze Jahr draußen

„Ein anderer Vorteil des Faserbetons besteht darin, dass er gar keine Pflege braucht. Man kann sich dafür entscheiden, den Faserbetonmöbeln eine Oberflächenbehandlung zu geben, damit sie Schmutz besser abweisen. Aber viele bevorzugen die Patina, die der Faserbeton ohne Oberflächenbehandlung naturgemäß entwickelt. Genau wie ein Arne-Jacobsen-Ei aus Leder durch Abnutzung und Patina noch schöner wird“, sagt Torben Andresen.

„Außerdem kann Faserbeton ruhig das ganze Jahr im Freien stehen“, setzt er hinzu.

„Wir finden ständig neue Möglichkeiten. Neuerdings haben wir auch Platten aus Faserbeton lanciert. So hat man die Möglichkeit, weitaus größere Platten zu gießen, mit denen man noch leicht arbeiten kann, und die Platten erhalten eine ganz andersartige, schöne Oberfläche. Außerdem kann Faserbeton dann obendrein als Fassadenverkleidung an der Hausmauer hochgeführt werden, was einen ansprechend rohen Effekt erzeugt", schlägt Anette Wendt vor.

Unlängst hat Bandage Interiør eine Faserbetonplatte vorgestellt, die von der Künstlerin Tine Vanggaard dekoriert ist. Ein einzigartiges Freiluft-Kunstwerk für den Terrassenbelag oder die Terrassenwand.

Ursprünglich für die Landwirtschaft

Beim Hersteller Glafiment freut sich der Firmengründer Jens Jensen über die Entwicklung. Die Firma begann vor gut 26 Jahren mit der Herstellung von Faserbeton. Zielgruppe war damals die Landwirtschaft, die den leichteren Beton z.B. für Tröge gebrauchen konnte.

Von Jette Aaes