Orangerien

Von Anne Fischer Stausholm, Landschaftsarchitektin PLR, MDL

Falls Sie sich gern mit Ihren Pflanzen beschäftigen, aber nicht gerade zur Gurken- und Tomatenzucht im Gewächshaus geneigt sind, sollten Sie vielleicht an eine Orangerie denken. Orangerien gewinnen zurzeit sehr an Beliebtheit. Früher waren Orangerien der Oberschicht vorbehalten, weil sie so teuer waren. Heute gibt es Orangerien aller Größen und auf verschiedenen Preisebenen. Der Ursprung der Idee geht aufs 18. Jahrhundert zurück, als der europäische Adel sich stark für den Anbau besonders von Zitruspflanzen zu interessieren begann. Die Orangerien wurden in die Anlage großer Schlösser und Herrensitze einbezogen, wo man die vielen exotischen Kübelpflanzen, vor allem Zitruspflanzen, die der Winterkälte nicht standhalten konnten, dann eben unter Dach aufbewahrte. Oft waren es große Gemäuer mit hoher Decke und Lichteinfall von Süden. Wenn die Pflanzen im Sommer ins Freie kamen, dienten die Orangerien oft als Schauplatz sommerlicher Veranstaltungen.

Das eindrucksvollste Beispiel einer Orangerie liegt zweifelsohne bei Versailles, dem Schloss Ludwigs XIV., des Sonnenkönigs, unweit der französischen Hauptstadt Paris. Die Orangerie wurde 1674 gebaut und gilt für schöner als das Schloss selbst. Bis auf den heutigen Tag ist es die Überwinterungsstätte für allerlei orientalische Gewächse wie Zitruspflanzen, Feigen und Pfirsiche. Im Sommer verleihen die Pflanzen der Parkanlage ein üppiges, imposantes Gepräge. Ohne uns damit nun weiter vergleichen zu wollen, können wir auch in Dänemark mit der Orangerie eines königlichen Schlosses renommieren, nämlich bei Schloss Fredensborg. Diese Orangerie ist außerordentlich schön und übrigens neueren Datums; sie ist im Sommerhalbjahr für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie wurde 1995 errichtet und erfüllt genau dieselbe Funktion, wie es früher üblich war.  Die vielen Kübelpflanzen, die sommers im Kräutergarten des Schlosses stehen, stehen winters in der Orangerie.

Was sind die Merkmale einer Orangerie?

Man kann darüber diskutieren, wie die Begriffe Orangerie, Treibhaus und Gewächshaus gegeneinander abzugrenzen sind. Eine Orangerie ist ein erwärmtes und isoliertes Gewächshaus, in dem man Pflanzen, die Minusgrade oder niedrige Temperaturen nicht vertragen, überwintern lässt. Es ist auf die Bedingungen der Pflanzen eingestellt und relativ kalt im Winter, entsprechend den Anforderungen der herkömmlichen Orangerie-Pflanzen. Die Orangerie ist eine Kombination aus Zucht, Aufbewahrung und Aufenthalt, vereint zu einem höheren ästhetischen Ganzen. Typischerweise ist eine Orangerie schön und klassisch gestaltet, unter hohem Dachfirst und oft mit guten und gediegenen Materialien errichtet. Es ist natürlich Geschmackssache, wie vornehm diese Umgebung sein muss, aber die ästhetische Dimension hängt sicher damit zusammen, dass die Funktion mit Menschen verbunden ist, die eine höhere Lebensfreude darin sehen, ihre Pflanzen zu umsorgen und sich an der Schönheit des Umgangs mit ihnen zu erbauen. Wie fügen sich nun königliche Schlösser, Ästhetik und Lebensgenuss in einen modernen dänischen Alltag ein? Ja, hier kommt das Interessante an der Sache.

Denn das Garteninteresse in Dänemark nimmt zu, und man spricht immer häufiger von der therapeutischen Wirkung der Gartenarbeit. Wir haben Gartenküchen, Bäder im Freien, Whirlpool und Hängematten, und wir haben auch zahlreiche Töpfe – wirklich unfassbar viele, wenn man bedenkt, wie sehr man sich darum kümmern muss; und Geld kostet es obendrein, all diese Töpfe zu bepflanzen und die Pflanzen auszuwechseln. Ja, und exotische Gewächse sind auf dem Vormarsch – Olivenbäume, Zitrusbäume usw. Vielleicht ist der Schritt dann nicht mehr so weit bis hin zu einer Orangerie, mit der die Gartensaison verlängert werden kann und die im Sommer wie auch im Winter benutzbar ist.

Wie man eine Orangerie errichtet

Die Größe einer Orangerie spielt weiter keine Rolle. Die Orangerie im Schloss Versailles zum Beispiel ist 155 m lang und hat darüber hinaus zwei Seitenflügel. In ihrer Glanzzeit gab es dort 1.200 Orangenbäume in silbernen Kübeln und 300 exotische Bäume. Heute sind es im Winter bis zu 1.200 Bäume in Kübeln. Aber kleiner geht es freilich auch! Das Wichtigste ist, dass die sonstige Baumasse und die Größe des Grundstücks, auf dem die Orangerie platziert wird, in einem angemessenen Verhältnis zueinander bleiben.

Die Größe der Orangerie muss natürlich auch der Anzahl der Pflanzen entsprechen, die dort Platz finden sollen, und deren Zahl kann ja rasch anschwellen, denn es gibt eine große Auswahl. Gute Pflanzen für die Orangerie sind z.B. Zitrusbäume, Kamelie, Myrte, Oleander, Hibiskus, Pelargonie, Schmucklilie, Orchideen, Feigen, Palmen und Olivenbäume.

Es ist besser, die Orangerie etwas kleiner zu gestalten und genug Ressourcen übrig zu haben, um sowohl die Pflanzen als auch das Inventar zu verfeinern. Holz, Klinker und Glas in einer Kombination mit Mauerwerk sind für eine Orangerie recht typisch, und es sollte ruhig eine gewisse Symmetrie herrschen, die klassische Bezüge erkennen lässt.