Die Entwicklung des Betons – eine Reise durch Zeit, Raum und Ästhetik

Geliebt, verachtet und Jahrhunderte lang vergessen. Der Beton hat viel durchgemacht, hat aber heute als effektvolles ästhetisches und funktionelles Wirkungsmittel sich selbst wiedergefunden.

Beton und Modernität sind oft im Guten wie im Bösen als zwei eng verbundene Größen eingeschätzt worden.

Das Material ist somit ein integraler Bestandteil unserer modernen, industrialisierten Entwicklung. Von den problematischen Assoziationen, die durch totalitäre Diktatoren und den sozialen Wohnungsbau der 60er Jahre entstanden sind, spannt sich der Bogen bis  hin zu den neuen, faszinierenden architektonischen Potenzialen des Betons.

Seine Geschichte reicht jedoch viel weiter, als wir unmittelbar meinen würden.

Ein älteres Produkt in neuer Form

Bereits im alten Griechenland wurde ein betonähnliches Material benutzt, um Häuser, Brücken und Aquädukte zu bauen. Sogar die Große Pyramide von Giseh wurde in einer Art künstlichem Sandstein ausgeführt, der an unseren heutigen Beton erinnert. 

Das Material wurde allerdings Jahrhunderte lang übersehen, bis der britische Ingenieur John Smeaton 1756 die Bauwirtschaft revolutionierte, indem er hydraulischen Mörtel im Beton verwendete. Und springt man 200 Jahre weiter durch die Zeit, bis in die 20er und 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts, so stößt man auf modernistische Architekten wie Le Corbusier und Ludwig Mies van der Rohe, die in Beton ein geradezu utopisches Material sahen, das den Fortschritt und das Potenzial der Menschheit symbolisiert.

Der ästhetische Wert des Betons wurde jedoch in den folgenden Jahrzehnten schwer angeschlagen. Es lag zum Teil am faschistischen und stalinistischen Hang zur schwülstigen, monumentalen Verwendung des Betons, aber hochgradig auch am befremdlichen Wohnungsbau der 60er und 70er Jahre. 

Entwicklung und praktische Nutzung

Die allmähliche Entwicklung und Verbesserung der Betonarten, die wir bis in die Gegenwart erleben, hat jedoch den Nachweis erbracht, dass dieses Material in unserer Gesellschaft eine praktische, funktionelle und ästhetische Berechtigung hat.

Jedes Jahr werden weltweit etwa 7,5 Milliarden Kubikmeter Beton produziert. Wie die Zahl schon andeutet, ist Beton zu einem integralen Bestandteil fast aller neuen Bauprojekte geworden. Beton ist heute im ganzen Spektrum von tragenden Konstruktionen bis hin zu Terrassen, Einfahrten und Dachziegeln fast überall beteiligt.

Wenngleich aber der praktische und funktionelle Wert des Betons schon lange akzeptiert ist, hat doch das Material erst in den letzten 10–20 Jahren eine regelrechte ästhetische Renaissance erfahren.

Ästhetische Renaissance

Während der letzten Jahrzehnte erfreut sich Beton als ästhetisches wie auch funktionelles Material wieder größerer Beliebtheit bei Designern, Architekten und der allgemeinen Bevölkerung.

Die vielen Innovationen im Bereich der Betonprodukte haben dazu geführt, dass dem Beton nicht länger nur eine einzige optische Erscheinungsform zugeschrieben wird. Oberflächenstruktur, Farbe, Form, Haltbarkeit usw. sind heute variabel und lassen sich ans jeweilige Design anpassen.  

Beton ist somit als starkes ästhetisches und formgebendes Wirkungsmittel einsetzbar.

Dieser Trend ist in Dänemark durch einige innovative Bauwerke vor Augen geführt worden, wie etwa das Museum für zeitgenössische Kunst „Heart“ in Herning vom amerikanischen Architekten Steven Holl (2009) oder das DR-Konzerthaus des Franzosen Jean Nouvel (ebenfalls 2009). In beiden Gebäuden trägt die dynamische und taktile Ausdruckskraft des Betons dazu bei, ein sowohl andersartiges als auch progressives Design zu schaffen.  

Neue Entwicklungstendenzen

Jedoch findet Beton nicht mehr ausschließlich im Design von Gebäuden Verwendung, sondern hat nach und nach in andere, weniger herkömmliche Designsparten Einzug gehalten. Besonders z.B. im Möbeldesign und in der Gebrauchskunst haben wir einen echten Boom für Produkte erlebt, die in Beton ausgeführt sind.

Inspiriert durch das industrielle Design der 30er Jahre sind heute alle möglichen Einrichtungsgegenstände in Beton erhältlich: Sofas, Stühle und Tischplatten, ja sogar Lampen und Kerzenständer. 

Die Renaissance dieses Materials zeigt uns, dass es trotz seiner langen Geschichte auch heute noch aktuell und modern ist. Die Beton-Ghettos der 60er Jahre haben wir nun im Rückspiegel; eine neue Ära ästhetischer Vielfalt und innovativer Formgebung hat begonnen!